Band 1
vergriffen *
 Band 2 Band 3   
von
Hartmut Küper
"Bonn-Hangelar Geschichte eines Flugplatzes
1909 bis 1926


von Hartmut Küper
"Bonn-Hangelar Geschichte eines Flugplatzes"
1926 bis 1936




von
Hartmut Küper
"Bonn-Hangelar Geschichte eines Flugplatzes
1936 bis 1943

100 Jahre
LSV Bonn e.V.
Lothar Franz bietet reich bebilderte Chronik des Vereins

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90 Jahre Flugplatz Bonn-Hangelar

Eine Kurzchronik von Hartmut Küper
1900-1913  

Der Beginn

Mit der Fertigstellung der Rheinbrücke im Dezember 1898 eröffnete sich dem Bonner Garnisonkommando die Möglichkeit, auf rechtsrheinischem Gebiet ein geeignetes Gelände für die Anlage eines neuen Exerzierplatzes zu erkunden. Die bisherigen Übungsplätze im Tannenbusch und auf dem Venusberg reichten nicht mehr aus. Auf der Hangelarer Heide, die in abwechslungsreichem Gelände besonders günstige Ausbildungsmöglichkeiten bot, wurde ein großes Gebiet erworben. 1901 waren die Rodungsarbeiten abgeschlossen. Von nun an waren das Husarenregiment König Wilhelm I (1. Rheinisches) Nr. 7 und das II. Bataillon des 9. Rheinischen Infanterieregiments  Nr. 160 häufig in Hangelar zu sehen. Parade- und Exerzierübungen der Bonner Regimenter lockten zahlreiche Schaulustige auf die Hangelarer Heide. Da es damals noch keine Schnellbahn gab, kamen die Zuschauer meist zu Fuß oder mit dem Fahrrad. In Anwesenheit des in Bonn ansässigen Adels veranstaltete das Husarenregiment auch verschiedentlich Pferde- und Wagenrennen.

1909 begann der in Betzdorf im Westerwald geborene Fritz Pullig mit seinen Flugversuchen auf der Hangelarer Heide. Er hatte einige Zeit in Frankreich verbracht und dort die damals bekannten Flugpioniere und ihre Konstruktionen kennengelernt. Der erste Flugversuch im April 1909 wurde ein Misserfolg. Der Holm, an dem das Schleppseil befestigt war, brach, das Flugzeug machte einen kurzen Sprung und wurde beim Aufsetzen stark beschädigt. Schaulustige schleppten die Trümmer als Andenken mit nach Hause. Mit Unterstützung der Sektion Bonn des Niederrheinischen Vereins für Luftschiffahrt (NVfL) baute Fritz Pullig in der Bonner Ermekeilkaserne ein neues Flugzeug. Die Gründung der Ortsgruppe Bonn als 4. Sektion des NVfL war bereits am 02. Dezember 1906 in der Bonner "Lese" erfolgt. Der Verein hatte sich zwar dem Ballonsport verschrieben, stand aber Pulligs fortschrittlichen Ideen sehr positiv gegenüber. Eine der herausragenden Persönlichkeiten und Gründungsmitglied der Bonner Sektion war Ernst Milarch. Die Arbeiten an dem neuen "Flugapparat" kamen vermutlich Anfang Juli zum Abschluß. Die Maschine wurde demontiert, auf einen Wagen verladen, und nach Hangelar transportiert. Am Samstag den 17. Juli 1909 startete Fritz Pullig eine neuen Versuch. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kam die Maschine frei, stieg auf  etwa 6 Meter und legte eine Flugstrecke von 400 Metern in 40 Sekunden zurück. Es war die Geburtsstunde des Hangelarer Flugplatzes. Weitere Flugversuche folgten, bis schließlich Ende Juli erneut ein Unfall das Flugzeug zerstörte. Fritz Pullig erlitt leichte Verletzungen und gab seine Bemühungen auf. 1911 plante und organisierte die Sektion Bonn des NVfL einen Flugtag. Der Verein konnte die Kölner Flieger Bruno Werntgen und Dr. jur. Joseph Hoos für die Veranstaltung gewinnen. Unter großer Begeisterung der Zuschauer fand am 15.10.1911 auf der Hangelarer Heide das erste "Schaufliegen" mit Passagierflügen statt.

Aufgrund der sogenannten "Festungsbestimmungen", die Schul- und Passagierflüge fast unmöglich machten, sah sich Bruno Werntgen gezwungen, sein Flugunternehmen in Köln aufzugeben. Seine Absicht, das Unternehmen nach Hangelar zu verlegen, fand die Unterstützung der Bonner Stadtväter. Auch das Garnisonkommando stand Werntgens Plänen positiv gegenüber. Mit ausschlaggebend für die Zustimmung war der gute Ruf, den sich Werntgen beim Generalstab des VIII. Armeekorps erworben hatte. Im April 1912 kamen die ersten Flugzeuge nach Hangelar. Als provisorische Unterstellmöglichkeit hatten die Bonner Husaren ein Pferdezelt zur Verfügung gestellt, in dem die Maschinen ausreichend Platz fanden. Familie Werntgen und die Unternehmensleitung waren in Bonner Hotels untergebracht. Unter dem Protektorat der Sektion Bonn des NVfL wurde am 20. und 21. Juli 1912 die Bonner Flugwoche durchgeführt. Im September waren mit den beiden französischen Fliegern Brindejonc des Moulinais und Hastley zum ersten Mal ausländische Gäste zu Besuch in Hangelar.

Da das Pferdezelt der Husaren nur  als vorübergehende Unterstellmöglichkeit vorgesehen war, plante Bruno Werntgen den Bau einer eigenen Flugzeughalle. Dank der Unterstützung durch den Magistrat der Stadt Bonn und der Hangelarer Gemeinde konnte im Juni mit dem Bau der Halle begonnen werden. Neben der Ausbildung von Flugschülern entwickelte Werntgen eigene Konstruktionen. Bei der Erprobung einer Neuentwicklung stürzte der junge Flugpionier am 25.02.1913 im Alter von 20 Jahren tödlich ab. Er war der erste, der auf der Hangelarer Heide den Fliegertod fand. Unter großer Anteilnahme der Bonner Bevölkerung wurde Bruno Werntgen auf dem Bonner Nordfriedhof beigesetzt. Mit dem Tod des jungen Piloten war das Flugunternehmen Werntgen seiner Seele beraubt. Frau Werntgen konnte ihren finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Am 12.11.1913 erfolgte die Zwangsversteigerung vor dem Amtsgericht Siegburg. Im Dezember 1913 verlegte Reinold Hoos, der jüngere Bruder von Josef Hoos, sein Unternehmen von Köln nach Hangelar. Das Flugunternehmen Hoos betrieb den Bau eigener Flugzeuge vom Typ "Hoos Eindecker" und Flug-ausbildung. Chefpilot war Otto Heller, der 1918 auf dem westlichen Kriegsschauplatz den Fliegertod finden sollte. Im Mai 1918 veranstaltete das Flugunternehmen Hoos ein Schaufliegen, das tausende Zuschauer anlockte. Der "Prinz Heinrich-Flug 1914" war das letzte für Hangelar bedeutsame Ereignis vor Ausbruch des 1. Weltkriegs. Am Morgen des 25. Mai trafen die Teilnehmer in Hangelar eine, um dort ihre Instruktionen für den abschließenden Teil des Wettbewerbs zu erhalten. Im Juli 1914 musste das Flugunternehmen Hoos seinen Betrieb einstellen.

  Der 1. Weltkrieg und die Besatzungszeit

  1914-1926

Kurz nach Ausbruch des 1. Weltkriegs kam der Etappen-Flugzeug-Park 2 unter dem Kommando von Major Hohl mit 14 Doppeldeckern nach Hangelar. Die Einheit gehörte zur Etappeninspektion der 2. Armee, die mit den ihr unter-stellten Einheiten vom 8. bis 21. August 1914 in Bonn untergebracht war. Ab November 1916 lag die Kampfein-sitzerstaffel (Kest.) 6 mit 4 Offizieren, 60 Mann und 15 Flugzeugen in Hangelar. Die Aufgabe der Staffel bestand im Schutz der Rheinbrücken und Verkehrsanlagen von Köln und Bonn, sowie der kriegswichtigen Betriebe im Köln-Bonner Raum. Im November 1916 wurde mit dem Bau einer neuen Flugzeughalle begonnen, die bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben ist und seit 1989 unter Denkmalschutz steht. Die Kest. 6 erlebte das Kriegsende in Hangelar.

Im Dezember 1918 besetzten Truppen der 2. kanadischen Division den südlichen Siegkreis. So rückte beispielsweise die 6. Feldartillerie-Brigade am 14.12. in Hangelar ein, das 22. Infanterie-Bataillon bezog Stellung in Siegburg-Mülldorf und am 31.12. besetzte das 24. Infanterie-Bataillon Menden. Am 20.12.1918 belegte die Squadron No. 5 der Royal Air Force den Hangelarer Flugplatz. Eine weitere englische Fliegereinheit folgte im Mai 1919. Nach dem Abzug der englischen Truppen rückten im Februar 1920 französische Kolonialtruppen ein. Einheiten des 33. französischen Fliegerregiments verlegten nach Hangelar und wurden während der Ruhrgebietsbesetzung im Jahr 1923 durch weitere fliegenden Verbände verstärkt. Die Franzosen errichteten auf dem Flugplatz mehrere Barackenlager.

Da die Motorsportfliegerei in den besetzten Gebieten nicht mehr möglich war, wurden Flugzeuge ohne Motor entwickelt. Es war die Geburtsstunde des deutschen Segelfluges. Mitglieder der vermutlich Anfang 1922 ins Leben gerufenen "Flugsportvereinigung Bonn" - Nachfolgeorganisation des NVfL, der verboten worden war - bauten ebenfalls eigene Hängegleiter und Segelflugzeuge, die auf dem Rodderberg bei Mehlem erprobt wurden. Mit ihren Maschinen nahmen die Bonner in den folgenden Jahren an den Segelflugwettbewerben auf der Rhön teil und konnten dort kleinere Erfolge erringen.

Anfang 1926 begannen die Franzosen mit der Räumung der rechtsrheinischen Gebiete. Am 20.01. verließen die letzten Besatzungstruppen den Flugplatz Hangelar.

 

 

Neubeginn und Ausbau

 

1926-1933   

Am 01. Februar 1926 landeten mit Hauptmann a. D. Harald Auffahrt, der in Münster eine Flugschule betrieb,  und  seinem Flugschüler Hans Nowack die ersten deutschen Flieger in Hangelar. Beiden wurde ein stürmischer Empfang bereitet. Die Verwaltung des annähernd 700 000 m² großen Flugplatzes lag in den Händen der "Arbeitsgemeinschaft für Luftverkehr der Kreise Bonn-Stadt, Bonn-Land und des Siegkreises", die die Vertreter von Bonn-Stadt, Bonn-Land und des Siegkreises bereits am 21.11.1925 im Bonner Rathaus ins Leben gerufen hatten. Die offizielle Bezeichnung lautete "Elektrische Bahnen Bonn-Stadt, Bonn-Land und des Siegkreises, Abt. Luftverkehr (Siebengebirgsflug)", nachfolgend kurz AG "Luftverkehr Siebengebirgsflug" genannt. Das Gelände wurde vom Deutschen Reich auf 10 Jahre gepachtet. Die Geschäfte führte der Direktor der elektrischen Bahnen, Anton Kotschenreuther. Im zur Seite stand Albert Sonntag, der zum Flughafenleiter ernannt wurde. Beide verstanden es, mit unermüdlichem Einsatz, persönlichen Opfern und mit Einfallsreichtum den Flugplatz zu erhalten, auszubauen und weit über die Landesgrenzen hinaus bekanntzumachen. Die segelfliegerischen Aktivitäten blieben zunächst weiter auf den Rodderberg beschränkt. Dort wurden in den folgenden Jahren die von Hermann Landmann gebauten Segelflug-zeuge getauft und erprobt. Landmann war Mitglied im NVfL, hatte viele Jahre in Bonn gelebt und ist nach dem Krieg Professor an der Technischen Universität Dresden geworden.

Das vordringliche Ziel bestand zunächst darin, wieder eine Betriebserlaubnis zu bekommen. Schon frühzeitig war bekannt, dass nicht alle Flugplätze in den ehemals besetzten Gebieten wieder zugelassen würden. Direktor Kotschenreuther strebte jedoch ein höheres Ziel an und beantragte die Zulassung als Verkehrsflughafen. Obwohl Hangelar alle Voraussetzungen erfüllte, wurde der Antrag wegen der geringen Entfernung zu den Flughäfen Köln-Butzweilerhof und Frankfurt am Main abschlägig beschieden. Hangelar bekam schließlich im März 1927 die Betriebserlaubnis als Flughafen II. Ordnung und als Verkehrslandeplatz. Die "Elektrischen Bahnen" erwarben von dem Hangelarer Pfarrer Dr. Franz Jacobi die Flugzeughalle aus dem 1. Weltkrieg und einen Teil des angrenzenden Geländes. Dr. Franz Jacobi hatte sich schon immer für die Fliegerei begeistert und die Luftfahrtbestrebungen auf der Hangelarer Heide gefördert. Man nannte ihn nicht zu Unrecht den "Fliegerpastor".

Zur Verbesserung der angespannten Haushaltslage und der Attraktivität des Flugplatzes wurden bereits 1926 eine Reihe von Projekten auf den Weg gebracht, deren Planungen sich teilweise über mehrere Jahre hinzogen. Dazu gehörten unter anderem: die Gründung eines Luftverkehrsunternehmens, der Bau einer Pferderennbahn, die Errichtung einer Halle für die Stationierung eines Kleinluftschiffes. Keines dieser Projekte konnte letztendlich verwirklicht werden

1926 beantragte die AG "Luftverkehr Siebengebirgsflug" die Aufnahme in die "Arbeitsgemeinschaft Deutscher Flughäfen", aus der wenig später der "Verband Deutscher Flughäfen" und schließlich der "Reichsverband der Deutschen Flughäfen" wurde. Der Verband bezweckte eine Zusammenarbeit der deutschen Flughäfen zur Verfolgung gemeinsamer Interessen unter Ausschluss luftverkehrspolitischer Bestrebungen. Hangelar blieb Mitglied bis zur Übernahme des Flugplatzes durch das Reich im Jahr 1936.  In dieser Anfangszeit erwarb die Stadt Bonn eine Mitgliedschaft an der "Rheinischen Luftverkehrsgesellschaft m.b.H.", die ihren Sitz in Köln hatte. Das Ziel der Gesellschaft war die gewerbsmäßige Beförderung von Personen und Sachen durch Luftfahrzeuge. Die Gesellschaft bestand bis 1935.

Am 6. Juni 1926 fand ein von der "Flugsport-Vereinigung Bonn" und der AG "Luftverkehr Siebengebirgsflug" veranstalteter "Groß-Flugtag" statt, mit dem der Flugplatz Hangelar wieder eröffnet wurde. Er war der erste in einer Reihe von Flugtagen und Luftfahrtveranstaltungen, die von dem unermüdlichen Albert Sonntag organisiert wurden. Die Einweihung des Flugplatzes übernahm der Bonner Oberbürgermeister Dr. Falk. Ein weiterer Programmpunkt war die Taufe und Vorführung des ersten Flugzeuges der "Flugsport-Vereinigung Bonn".

Der zunehmende Luftverkehr machte die Einrichtung einer "Luftpolizei" notwendig. Im Zuge der 1926 durchgeführten Baumaßnahmen an der Flugzeughalle und den Nebengebäuden wurde in Hangelar eine Polizei-Hilfsflugwache eingerichtet. Anfang September 1926 bezogen die Polizei-Oberwachtmeister Müller und Nauermann ihre neuen Diensträume. Im November 1927 ging Oberwachtmeister Müller zur Polizei-Flugwache Köln. Für ihn kam Polizei-Hauptwachtmeister Hanke nach Hangelar.

Ebenfalls im September wurde ein "Herbst-Gross-Flugtag" durchgeführt, an dem auch der spätere Kunstflug-Weltmeister Gerhard Fieseler teilnahm. In Glesch bei Köln geboren kam Fieseler 1902 nach Bonn, wo er seine Jugendzeit verbrachte. Er hatte die Anfänge der Fliegerei in Hangelar miterlebt. An die Großveranstaltung schloss sich ein für die Schulkinder der benachbarten Schulen ausgerichteter "Kinderflugtag" an, der mit einem schrecklichen Unfall endete. Paul Turck geriet mit dem Flugzeug in einen unkontrollierten Flugzustand und stürzte mit seinem Fluggast, dem Luftpolizisten Paul Nauermann, tödlich ab. 

1926 wurde aus der "Flugsportvereinigung Bonn" wieder der "Niederrheinische Verein für Luftschiffahrt e. V., Sektion Bonn e.V."

Anfang 1927 sollte der "Rheinflugdienst" Rotterdam-Duisburg-Köln rheinaufwärts über Mainz bis Basel weitergeführt werden. Die an diesem Projekt interessierten Städte konnten mit einer Stammeinlage Mitglied in der Firma "Mittelwestdeutsche Lufthansa Gesellschaft mit beschränkter Haftung" werden. Federführend für die Stadt Bonn war die AG "Luftverkehr Siebengebirgsflug". In Vorbereitung dieser Fluglinie veranstaltete die "Westflug G.m.b.H" mit ihrem Junkers Wasserflugzeug Flugtage an mehreren Städten des Rheins. Erst im Oktober des Jahres kam das Wasserflugzeug nach Bonn. Die Rundflüge erfolgten vom Bootshaus des Akademischen Ruderklubs Rhenus aus. Zu einer Firmengründung kam es jedoch nicht, da die Fluglinie Rotterdam-Köln eingestellt wurde.

Im Frühjahr 1927 eröffnete die "Raab-Katzenstein Flugzeugwerk GmbH" eine Flugschule in Hangelar. Das in Kassel ansässige Unternehmen hatte auch eine Zweigstelle in Köln. Die Flugschüler wohnten auf dem Flugplatz. Die Verpflegung erhielten die angehenden Piloten zunächst in dem "Hotel zur Post", das von dem Ehepaar Lichius geführt wurde. Die fliegerische Ausbildung lag in den Händen von Hauptmann a. D. Grübedinkel und seinem Nachfolger, Fluglehrer Otto Peschke. Die im Laufe des Jahres auftretenden Schwierigkeiten und die Kostensituation veranlassten das Flugzeugwerk schließlich, die Flugschule im April 1928 nach Düsseldorf zu verlegen.

Im März 1927 begann in Bonn der erste Jungfliegerkursus, veranstaltet von der Gewerblichen Berufsschule der Stadt Bonn in Verbindung mit dem NVfL und der AG "Luftverkehr Siebengebirgsflug". Der Kursus wollte dem interes-sierten Jugendlichen eine ernsthafte Ausbildungsmöglichkeit bieten und berufliche Perspektiven in der Luftfahrt aufzeigen. Der ein Jahr dauernde Unterricht umfasste eine theoretische Ausbildung, praktischen Werkunterricht und eine sportlich-fliegerische Ausbildung. Der theoretische Teil lag in den Händen von Gewerbeoberlehrer Franz Wilhelm Schmitz. Er hatte an der Ingenieurschule in Aachen studiert und vor dem 1. Weltkrieg bei Junkers gearbeitet. Die fliegerische Ausbildung erfolgte auf dem Rodderberg. Im Juli des Jahres veranstalteten die AG "Luftverkehr Siebengebirgsflug" zusammen mit dem NVfL, dem Bonner Jugendring, dem Ortsverband für Leibesübungen und dem Westdeutschen Spielverband einen "Großflugtag mit sportlichen Veranstaltungen". Neben einem Leichtathletikprogramm gab es zahlreiche Flugvorführungen, an denen auch Gerhard Fieseler wieder beteiligt war. Die "Deutsche Luft Hansa AG" und die "Westfälische Luftverkehrsgesellschaft m.b.H. (Welu)" waren ebenfalls nach Hangelar gekommen und führten mir ihren Verkehrsmaschinen Rundflüge durch. Im Sommer 1927 wurde innerhalb des Instituts für Leibesübungen an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn eine akademische Fliegergruppe (Akaflieg) gegründet, die ihre in Bonn gebauten Segelflugzeuge ebenfalls auf dem Rodderberg erprobte. Eine der tragenden Säulen der Akaflieg war Siegfried Ruff, der im April 1933 für die beste Jahresleistung in der Ausbildung von Flugschülern den Hindenburg-Pokal erhielt. Im September des Jahres wurden mit Pater Paul Schulte Verhandlungen über die ständige Stationierung eines Flugzeuges der "Miva" (Missions-Verkehrs-Arbeits-Gemeinschaft) und über eine enge Zusammenarbeit mit dieser Arbeitsgemeinschaft geführt. Pater Schulte sollte für die Entwicklung des Flugplatzes nach dem 2. Weltkrieg noch von Bedeutung sein.  Ende 1927 hatte der Flugplatz Hangelar 1917 Flugbewegungen zu verzeichnen.

In den ersten Monaten des Jahres 1928 begannen die Vorbereitungen für weitere Flugveranstaltungen. Mit Ernst Udet konnte Albert Sonntag einen der berühmtesten Jagdflieger des 1. Weltkriegs für den Flugtag im Mai gewinnen. Udet war die Attraktion schlechthin. Sein Kunstflugprogramm versetzte die Zuschauer in atemlose Spannung. Die "Raab-Katzenstein Werke" stellten einen "Luftschleppzug" vor, bei dem ein Segelflugzeug von einem Motorflugzeug geschleppt wurde. Im Oktober lockte eine weitere Veranstaltung zahlreiche Schaulustige nach Hangelar. Annähernd 30 000 Zuschauer verfolgten die Darbietungen von Gerhard Fieseler und der Kunstfliegerin Thea Rasche. Ehrengast war der "Ozeanflieger" Hauptmann Hermann Kähl, ein hochdekorierter Bomberpilot aus dem 1. Weltkrieg. Kähl hatte am 12./13.04.1928 zusammen mit Freiherr von Hönefeld und dem Iren Fitz-Maurice die erste Nordatlantik-Überquerung in Ost-West-Richtung erfolgreich durchgeführt. Ursprünglich sollte Fritz Loose, der an der Flugerprobung und dem ersten Versuch teilgenommen hatte, zu der Besatzung gehören. Auf dem Flugtag wurde das erste Flugzeug der AG "Luftverkehr Siebengebirgsflug" auf den Namen "Siebengebirge" getauft. Von Hangelar aus begaben sich Hermann Köhl und Thea Rasche zum Rodderberg, um dort die Taufe zweier Segelflugzeuge vorzunehmen.

Die Einfriedung des Flugplatzes und der Bau einer etwas über 1 000 Zuschauer fassenden Tribüne fielen ebenfalls in das Jahr 1928.

Im Februar 1929 begannen die Verhandlungen mit der "Luftverkehrsgesellschaft Ruhrgebiet A.G. (Lurag)" über die Einrichtung eines Wochenendluftverkehrs von Bonn nach Essen/Mülheim und mit der "Welu" über eine Verbindung nach Dortmund, wo der Fluggast Anschlus an einen Seebäder-Dienst der Gesellschaft hatte. Mit der "Welu" wurde man sich einig. Von Anfang Juni bis Ende August 1929 bediente die Gesellschaft die Strecken Hangelar-Dortmund-Norderney-Borkum und zurück. Dieser Flugdienst wurde aber im Folgejahr nicht wieder aufgenommen.

Im Juni stand ein weiterer Flugtag auf dem Programm. Die vorhergehenden Veranstaltungen, auf denen in Anwesen-heit berühmter Persönlichkeiten technische Neuerungen und interessante Vorführungen zu sehen waren, ließen eine Steigerung kaum mehr möglich erscheinen. Trotz widriger Witterungsverhältnisse strömten erneut tausende Zuschauer zum Hangelarer Flugplatz. Das Interesse galt diesmal dem ehemaligen Bonner Gerhard Fieseler und dem französischen Kunstflugmeister Marcel Doret. In einem freundschaftlichen Wettkampf wollten beide die hohe Schule des Kunstflugs demonstrieren. Wenige Tage vor dem mit großem Aufwand angekündigten Ereignis hatte die AG "Luftverkehr Siebengebirgsflug" und die Sektion Bonn des NVfL einen schweren Verlust zu beklagen. Am Abend des 12. Juni stürzte Dipl. Ing. Hans Nowack auf dem Hangelarer Flugplatz tödlich ab. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde er auf dem Friedhof in Beuel beigesetzt.

Obwohl das angekündigte Programm nicht vollständig dargeboten werden konnte, war auch dieser Flugtag ein voller Erfolg. Die AG "Luftverkehr Siebengebirgsflug" erwirtschaftete einen Überschuss von 2.372,00 M, der jedoch deutlich unter den 1928 erzielten Beträgen blieb. Ende 1929 waren in Hangelar sechs Flugzeuge stationiert.

Im Januar 1930 beantragte die AG "Luftverkehr Siebengebirgsflug" den Bau einer Tankstelle, die zwei Monate später in Betrieb genommen werden konnte.

Das herausragende Ereignis im Jahr 1930 war die Landung des Luftschiffes LZ 127 "Graf Zeppelin" in Hangelar. Bereits 1929 hatte Albert Sonntag mit der "Luftschiffbau Zeppelin GmbH" in Friedrichshafen Kontakt aufgenommen und die Entsendung eines Luftschiffes in das wieder freie Rheinland mit Landung in Hangelar vorgeschlagen. Auch die Stadt Köln unter ihrem damaligen Oberbürgermeister Dr. Konrad Adenauer bemühte sich um die Landung eines Zeppelins. Flughafenleiter Sonntag konnte Ernst Milarch, der zu dieser Zeit bereits Mitarbeiter der Luftschiffbau-Gesellschaft war, für seinen Plan gewinnen. Dank dieser Verbindung und des guten Kontaktes zu Dr. Hugo Eckener, einem engen Mitarbeiter des Grafen von Zeppelin, bekam Hangelar vor der Stadt Köln die Zusage. Die Landung eines Luftschiffes erforderte eine umfangreiche Haltemannschaft, die zwar von der Gesellschaft in Friedrichshafen gestellt, aber vom Veranstalter bezahlt werden musste. Um diese Kosten zu sparen, reiste Albert Sonntag nach Friedrichshafen und unterzog sich einer eingehenden Schulung, die zur vollen Zufriedenheit der "Luftschiffbau Zeppelin" ausfiel. Die Gesellschaft verzichtete daraufhin auf die Entsendung einer Haltemannschaft. Albert Sonntag konnte eine eigene Mannschaft aufstellen, die aus Bediensteten der Stadt Bonn bestand. Es war das erste und wohl auch einzige Mal, dass die Zeppelingesellschaft eine solche Möglichkeit zuließ. Zur Bewältigung der Zuschauermassen und des Verkehrs mussten ausreichende Zuschauerräume und Parkflächen eingerichtet werden. Am frühen Morgen des 22. April 1930 startete  LZ 127 "Graf Zeppelin" in Friedrichshafen zur "Blütenfahrt" Nr. 56 und zur ersten Landung im freien Rheinland. Nach einer Fahrzeit von knapp 6 Stunden erreichte der Zeppelin Hangelar, wo er von etwa 150 000 Zuschauern erwartet wurde. Nachmittags kehrte das Luftschiff nach Friedrichshafen zurück. Die Rückfahrt ist im Fahrtenverzeichnis von LZ 127 als "Blütenfahrt" Nr. 57 aufgeführt. Kommandant des Luftschiffes war Kapitän Ernst Lehmann, der beim dem Unglück von LZ 129 "Hindenburg"  in Lakehurst am 06. Mai 1937 ums Leben kam.

Einen Monat später, am Himmelfahrtstag, fand eine weitere Veranstaltung auf dem Hangelarer Flugplatz statt. Albert Sonntag war es gelungen, die Genehmigung zur Austragung der 1. deutschen Damenkunstflugmeisterschaft zu bekommen. Der offizielle Titel des Wettbewerbs, an dem unter anderem die damals bekannten Fliegerinnen Elly Beinhorn, Thea Rasche und Marga von Etzdorf teilnahmen, lautete: "1. Deutsche Damenkunstflugmeisterschaft 1930 verbunden mit Geschicklichkeitswettbewerb und Opel-Sternflug". Siegerin wurde die aus Beuel stammende Liesel Bach. Es war ihr erster großer Erfolg, dem  weitere folgen sollten. Auch zu diesem Wettbewerb hatten sich wieder zahlreiche Schaulustige eingefunden.

Mit Unterstützung des Reichsverkehrsministers konnte die Akaflieg an der Universität Bonn ein Motorflugzeug erwerben, das am 01. Juni in Hangelar auf den Namen "Westmark" getauft wurde. Die Akaflieg hatte nun die Möglichkeit, auch Motorflieger auszubilden.

Einen Monat später gab es eine weitere Attraktion zu sehen. Nachdem am Vormittag des 06. Juli etwa 50 Teilnehmer des "Rheinland-Befreiungsfluges" in Hangelar zwischengelandet waren, erschien nachmittags das damals größte Verkehrsflugzeug Europas, die viermotorige Junkers G 38. Zur Erprobung seiner technischen Eigenschaften machte das Flugzeug einen größeren Flug über Westdeutschland und besuchte die befreiten Städte. Die Maschine flog am folgenden Tag nach Essen und Düsseldorf. Gleichzeitig war das Parseval-Naatz Kleinluftschiff, das von der Schoko-ladenfirma "Trumpf" betrieben wurde, in Hangelar zu Besuch und blieb dort mehrere Tage. Die ursprüngliche Absicht, das Kleinluftschiff in Hangelar fest zu stationieren, konnte nicht verwirklicht werden.

Im November veranstalteten die akademische Fliegergruppe an der Universität Bonn und der NVfL, Sektion Bonn, erstmalig ein Zusammentreffen westdeutscher Flieger. Ende 1930 waren in Hangelar 9 Flugzeuge stationiert. Insgesamt wurden in diesem Jahr 3709 Flüge absolviert. Für den Flugplatz von Bedeutung war auch die Aufnahme in das "Internationale Flughandbuch"

Im Vergleich zu 1930 waren im Jahr 1931 in Hangelar deutlich weniger Aktivitäten zu verzeichnen. Da die Landung des Luftschiffes LZ 127 "Graf Zeppelin" für den Flugplatz Hangelar ein wirtschaftlicher Erfolg war, bemühte sich Albert Sonntag erneut um eine Landungsfahrt nach Hangelar. Die Anstrengungen blieben aber erfolglos, da das Interesse an solchen Fahrten geschwunden war und das Risiko in keinem Verhältnis zu den Einnahmen stand.

Die AG "Luftverkehr Siebengebirgsflug" stellte beim "Aero-Club von Deutschland" den Antrag, Hangelar als Zwischenlandeplatz für den "Europarundflug 1931" zu berücksichtigen. Aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Situation konnten die anteiligen Kosten aber nicht aufgebracht werden, so dass der Antrag keine Berüksichtigung fand. Daraufhin beantragte Albert Sonntag, Hangelar als Landeplatz für den geplanten "Europarundflug 1932" zu berücksichtigen. Nach langwierigen Verhandlungen und deutlicher Reduzierung der zu übernehmenden Kosten, sprach sich die internationale Sportleitung für Hangelar als Zwangslandeplatz in dem für das Jahr 1932 vorgesehenen Rundflug aus. Der letzte Abschnitt der zweiten Großetappe dieser Veranstaltung sollte von Stuttgart über Hangelar nach Paris geführt werden.

Im Oktober 1931 führte der NVfL, Sektion Bonn, auf dem Bonner Münsterplatz eine Werbeveranstaltung für den Segelflug durch.

Im Juli 1932 eröffnete die Luft Hansa (alte Schreibweise) die Nachtflugstrecke Köln (Butzweilerhof)-Frankfurt/M.- Köln. Hangelar wurde Hilfslandeplatz. Da der Flugplatz für einen Nachtflugbetrieb nicht eingerichtet war, mussten die entsprechenden Ausrüstungsgegenstände angeschafft und ein Hilfswärter eingestellt werden, der die Befeuerungsanlagen zu bedienen hatte. Die Betriebskosten wie auch die Lohnkosten für den Wärter übernahm das "Reichsamt für Flugsicherung".

Der "Europarundflug 1932" war das zentrale Thema, das die Lokalpresse bereits zu Beginn des Jahres 1932 beherrschte. Am Sonntag, den 21. August, erfolgte der Start zum Streckenflug in Berlin-Tempelhof. In den vorangegangenen Tagen waren die technischen Prüfungen absolviert worden. Zwei Tage später starteten die Teilnehmer zur Großetappe Rom-Paris. Am Abend des 23. August landete der Deutsche Hans Seidemann als erster in Hangelar, wo er vom Bonner Oberbürgermeister Dr. Lürken, Presse und Rundfunk begrüßt wurde. Nach kurzem Aufenthalt startete Seidemann zum Weiterflug nach Paris. Kurz nach ihm landete mit Freiherr von Massenbach ein weiterer Deutscher. Aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit musste er, wie auch die folgenden Teilnehmer, in Hangelar übernachten. Sieger im "Europarundflug 1932" wurde der Pole Zwirko. Seidemann belegte den zweiten Platz.

Mit der Landung des Dornier-Flugbootes Do X auf dem Rhein bei Bonn war im Oktober ein weiterer Höhepunkt zu verzeichnen. Erste Gespräche hatte Albert Sonntag im Auftrag der AG "Luftverkehr Siebengebirgsflug" bereits im Herbst 1930 geführt. Bonn war in das Besuchsprogramm der Do X aufgenommen worden. Bedingt durch die Witterungsverhältnisse musste dieses Programm aber gekürzt werden. Auf dem Weg nach Amerika wurde die Stadt Bonn nur überflogen. Nach der Rückkehr aus den USA nahm Albert Sonntag die Gespräche wieder auf. Nachdem der Direktor der Deutschen Flugschiff-Gesellschaft die Bonner Strom- und Uferverhältnisse besichtigt hatte, stimmte er einer Landung in Bonn zu. Von Köln kommend traf das Flugboot am 29. September in Bonn ein und ankerte an der ersten Fährgasse. Bereits Stunden vor der Ankunft säumten Tausende das Rheinufer in Bonn und Beuel. Die Do X, unter dem Kommando von Kapitän Christiansen, verließ Bonn Anfang Oktober und flog nach Koblenz.

Die "Deutsche Luft Hansa" hatte der AG "Luftverkehr Siebengebirgsflug" für Oktober den Besuch einer Junkers G 38 in Hangelar angeboten, da das Flugzeug sich im Rahmen eines Sonderfluges ohnehin in Köln befand. Es war das zweite Flugzeug dieses Musters und erst im Juni 1932 in Dienst gestellt worden. Am 05. Oktober landete Flugkapitän Otto Brauer mit der G 38 auf dem Hangelarer Flugplatz.

Mit dem Ausklang des Jahres 1932 brach auch für den Flugplatz Hangelar eine neue Zeit an.

 

 

Unter nationalsozialistischer Herrschaft

 

1933-1939

 

 

Die Veränderung der politischen Landschaft beeinflusste auch die weitere Entwicklung des Hangelarer Flugplatzes.

Am 30.01.1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler an der Spitze eines nationalsozialistischen-deutschnationalen Koalitionskabinetts ernannt. In der Reichsregierung übernahm Hermann Göring den Posten eines Reichsministers ohne Geschäftsbereich und eines Reichskommissars für Luftverkehr. Ein Mitarbeiter Görings wurde der "Pour le Mérite-Flieger" und Do X - Kommandant Friedrich Christiansen, in dessen Händen die Leitung der Gruppe Flugsport und Ausbildung lag. Nach der Machtübernahme wurden in fast allen Bereichen Regime-Gegner durch linientreue Parteigänger ersetzt. Von dieser Maßnahme betroffen waren unter anderem auch Anton Kotschenreuther und Albert Sonntag. Kotschenreuther, dessen Vertrag Ende Januar 1933 auslief, war für eine weitere Amtsperiode vorgesehen. Zu einer Wiederwahl kam es aber urplötzlich nicht. Flughafenleiter Albert Sonntag, der kein Mitglied der NSDAP war, wurde durch den nationalsozialistischen Oberbürgermeister der Stadt Bonn, Ludwig Rickert, in äußerst rüder Form seines Postens enthoben. In der Folgezeit musste sich Sonntag gegen üble Verleumdungen, falsche Anschuldigungen und Unterstellungen zur Wehr setzen. Diffame persönliche Anwürfe und ein Dienststrafverfahren, das eine sofortige Gehaltsreduzierung zur Folge hatte, machten ihm und seiner Familie das Leben zur Qual. Da sich alle Anschuldigungen als falsch erwiesen, musste das Verfahren eingestellt werden. Im März 1934 verließ Albert Sonntag Bonn. Dank seiner sehr guten Beziehung zu Christiansen bekam er den Posten eines Segelflugreferenten in Danzig. Am 31.01.1935 kam er bei einem Flugzeugunglück ums Leben. Auf dem Bonner Nordfriedhof fand er seine letzte Ruhestätte. Sonntags Nachfolger als Flughafenleiter wurde der Scharführer des SS-Fliegergruppe Bonn, Ludwig Reimann. Nur wenige Wochen nach der Machtergreifung landete Hitler auf dem Hangelarer Flugplatz, wo er vom SS-Fliegersturm aus Düsseldorf begrüßt wurde. Während seiner Regierungszeit ist Hitler wiederholt nach Hangelar gekommen. Von dort begab er sich gewöhnlich zum Rheinhotel Dreesen.

Im April 1933 veranstaltete die SA-Standarte 1/160 eine Geländeübung auf dem Flugplatz. Wenige Tage später, am 09.04., stattete ein Geschwader der Deutschen Verkehrsfliegerschule Braunschweig Hangelar einen Besuch ab. Das Geschwader befand sich auf einem Rheinlandflug. Aufgrund der schlechten Witterung erreichten nur 16 der vorge-sehenen 22 Flugzeuge das Ziel. Einen Tag später startete das Geschwader zum Weiterflug nach Wiesbaden.

Ende Mai landete erneut ein Mitglied der Reichsregierung in Hangelar. Zur Begrüßung des Ministerpräsidenten Göring hatten sich eine Ehrenkompanie des SS-Fliegersturms Köln-Bonn und der Stahlhelm-Flugstaffel sowie zahlreiche Führer der neuen politischen Bewegung auf dem Flugplatz eingefunden. Darunter waren: der Bonner Oberbürgermeister Rickert, Landrat Buttlar aus Siegburg, Kreisleiter Hoffstätter und Gauleiter Grohß. Göring, der mit einer Junkers Ju 52 von Düsseldorf kam, befand sich in Begleitung von Staatssekretär Milch, Ministerialrat Christiansen, Generalleutnant Reichenau und anderen. Die Delegation begab sich über Bonn und Euskirchen zum Nürburgring.

Ende Mai begann die "Gleichschaltung" der Bonner Verein. Der Ring Deutscher Flieger, der NVfL, die Akaflieg, die Jungfliegergruppe der Berufs- und Handelsschule  wie auch die AG "Luftverkehr Siebengebirgsflug" sollten aufgelöst und in die Ortsgruppe Bonn des Deutschen Luftsport-Verbandes (DLV) überführt werden. Die Durchführung dieser Maßahme lag in den Händen von Heinz Breidt, Leutnant der Reserve im Flieger-Bataillon 1 z.b.V. im Stabe der Standarte 5 der SS. Während die genannten Vereine in der Folgezeit auch tatsächlich aufhörten zu existieren, wurde für die Segelflugabteilung der Akaflieg offensichtlich eine Ausnahme gemacht, da die Abteilung noch bis 1939 den Segelflug unter eigenem Namen ausüben konnte. Die Gründungsfeier der neuen Ortsgruppe unter dem Namen "Flieger-Untergruppe 8 Bonn der Landesgruppe VI - Rheinland - des DLV" erfolgte Ende Juli in der Bonner Beet-hovenhalle. Im Anschluss an diese Veranstaltung wurden auf dem Münsterplatz zwei neue Flugzeuge getauft.

Anfang Juni waren englische Flieger, Mitglieder des Aero-Clubs von England, mit acht Flugzeugen zu Gast in Hangelar, wo sie von Vertretern der Stadt Bonn und des Siegkreises empfangen wurden. Die Engländer erwiderten damit den Besuch deutscher Sportflieger im Vorjahr in London. Einen Monat später traf SA-Stabschef Ernst Röhm in Hangelar ein. Er wurde begrüßt von dem Bonner Oberbürgermeister Rickert, Landrat Buttlar aus Siegburg, Kreisleiter Hoffstätter, dem Bonner Stadtpolizeidirektor Standartenführer Peter Reinartz und einer SS-Abordnung. Röhm begab sich zu einer Besichtigung nach Koblenz und übernachtete im Rheinhotel Dreesen. Einen Tag später startete er in Hangelar zu einem Weiterflug nach Kassel. Ende Juli traf Vizekanzler von Papen mit einem Flugzeug von Rom und München kommend in Hangelar ein. Zu seiner Begrüßung hatten sich zahlreiche Persönlichkeiten eingefunden. Darunter waren der Oberpräsident der Rheinprovinz, der Siegburger Landrat, der Kreisleiter des Siegkreises und   Bürgermeister Ley aus Siegburg. Von Papen begab sich nach Maria-Laach, wo er an einer Tagung des Katholischen Akademiker-Verbandes teilnahm.

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hatten die Bonner Walter und Reimar Horten in der elterlichen Wohnung, in Bonn-Poppelsdorf, mit dem Bau eines Nurflügelflugzeuges begonnen. Die Einzelteile des Segelflugzeuges wurden nach Hangelar transportiert und dort zusammengebaut. Vermutlich im Juni 1933 begannen die beiden Primaner mit der Erprobung der Horten I "D-Hangwind" auf dem Hangelarer Flugplatz. Mit ihrem Flugzeug nahmen die Gebrüder am Rhön-Segelflugwettbewerb 1934 teil. Im Anschluß an den Wettbewerb wurde die Maschine auf der Rhön verbrannt.

Der Rest des Jahres verlief ohne besondere Vorkommnisse. Aufgrund der anhaltenden schwierigen Wirtschaftslage war der Flugplatz Hangelar längst zu einem Zuschussbetrieb geworden.

Das Jahr 1934 begann mit einem Verlust für die Akaflieg Bonn. Dr. Siegfied Ruff, der für seine ehrenamtliche Tätigkeit als Fluglehrer vom "Ring Deutscher Flieger" mit dem "Richthofen-Pokal" ausgezeichnet worden war, erhielt eine Berufung nach Berlin zur Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt und verließ Bonn.

Nachdem das Gelände auf dem Rodderberg immer stärker landwirtschaftlich genutzt wurde, gaben die Segelflieger das Übungsgelände auf und zogen zunächst in die Eifel, nach Fronrath.  Im Juni führte der "Deutsche Luftsport-Verband" eine Luftfahrt-Werbewoche durch. Anlässlich dieser Veranstaltung stellte die Fliegeruntergruppe 8 Bonn auf dem Bonner Münsterplatz drei Segelflugzeuge und ein Motorflugzeug aus. Im Zuge der Werbung für die Luftfahrt landete das Fliegergeschwader der Fliegerlandesgruppe V/VI - Rheinland und Westfalen - am 05. Juni mit 15 Flugzeugen in Hangelar. Den Abschluss der Werbewoche bildete eine große Flugveranstaltung auf dem Flugplatz Hangelar. An diesem "Volksflugtag" nahmen dreißig Maschinen teil, darunter auch die Horten I, die von Reimar Horten geflogen wurde. Das Kunstflugprogramm wurde unter anderem von Liesel Bach und dem aus Niederpleis stammenden Albert Falderbaum bestritten, der erst am Anfang einer großen fliegerischen Karriere stand.

Am Nachmittag des 29. Juni landeten der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels, SS-Gruppenführer Sepp Dietrich und weitere SS-Führer in Hangelar. In der Nacht auf den 30. Juni flog Adolf Hitler mit Begleitung von Hangelar nach München, um dort den "Röhm-Putsch" niederzuschlagen.

Auf Einladung des Bonner Oberbürgermeisters Rickert kamen Anfang Juli englische Flieger nach Hangelar, wo sie vom Oberbürgermeister, dem Kreisleiter Hausmann und dem englischen Generalkonsul begrüßt wurden. Die Gäste begaben sich zunächst nach Bonn in den Königshof und machten anschließend einen Ausflug in das Siebengebirge. 

Ende August waren erneut hunderte von Zuschauern auf dem Weg nach Hangelar. Auf dem Flugplatz stand die Junkers Ju 52 von Adolf Hitler. Begleitet von Reichsminister Goebbels und Reichswehrminister General von Blomberg verließ er Hangelar.Am 01. September eröffnete die Fliegeruntergruppe 8 der Fliegerlandesgruppe VI auf dem Hangelarer Flugplatz eine Funkerschule.

Die letzte Maiwoche des Jahres 1935 stand im Zeichen der Reichsluftfahrt-Werbewoche. Am zweiten Tag dieser Werbeveranstaltung taufte Oberbürgermeister Rickert auf dem Bonner Münsterplatz ein Segelflugzeug der Fliegerortsgruppe Bonn auf den Namen "Claus Clemens". Zu diesem Ereignis waren zahlreiche Ehrengäste erschienen, darunter ein Vertreter der Landespolizeischule, der Standartenführer, der Polizeidirektor, der Gauführer und der Landgerichtspräsident. Christi Himmelfahrt wurde in Hangelar ein großes Segelfliegertreffen veranstaltet. Bereits am Vormittag waren die Fliegeruntergruppe 8 sowie die Ortsgruppe Bonn in Begleitung einer Fliegerkapelle und eines Spielmannzuges durch die Straßen von Bonn und Beuel marschiert. Nachmittags gab es auf dem Hangelarer Flugplatz zahlreiche Vorführungen mit Segelflugzeugen und eine Flugzeugtaufe. Die Ortsgruppe Troisdorf taufte ihr Segelflug-zeug auf den Namen "Bölke II". 

Vermutlich Anfang Juni begannen die Gebrüder Horten in Hangelar mit der Erprobung der Horten II "D-Habicht", deren einzelne Bauteile ebenfalls in der elterlichen Wohnung angefertigt worden waren. Dieses Flugzeug, Nachfolgemuster der Horten I, war zunächst ein Segelflugzeug, erhielt aber später einen Hirthmotor und die Typen-bezeichnung Horten II M. Die Erstflüge Horten II M erfolgten noch im gleichen Jahr.

Auf Einladung des Aero-Clubs von Deutschland fand Anfang Juli in Düsseldorf ein Wochenendbesuch ausländischer Flieger statt. Einen Tag ihres Aufenthaltes nutzten die Gäste zu einem Abstecher nach Hangelar. Mit etwa 20 Flug-zeugen landete die international gemischte Besuchergruppe auf dem Flugplatz, wo sie von Vertretern der Stadt Bonn und des Siegkreises empfangen wurde.

Eine knappe Woche später kam Eduard Meyerding, ein Schüler von Siegfried Ruff, bei einem Flugzeugabsturz auf dem Hangelarer Flugplatz ums Leben. Meyerding, ein Uhrmacher aus Bonn, wurde unter reger Anteilnahme seiner Fliegerstürme von Bonn, Köln und Koblenz, der Flieger-Hitler-Jugend sowie Vertretern der Stadt und der Flughafenverwaltung auf dem Bonner Nordfriedhof beigesetzt.

Mitte August veranstalteten die NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude", die Kreisämter Bonn und Siegburg in Verbindung mit der Fliegeruntergruppe Bonn einen "Volksflugtag". Der deutsche Kunstflugmeister von 1935, Willi Stör, Fluglehrer Jakob Möltgen aus Köln und Liesel Bach wussten mit einem abwechslungsreichen Programm die vielen tausend Zuschauer zu begeistern. Auch die Deutsche Lufthansa hatte eine Ju 52 nach Hangelar geschickt, mit der im Laufe der Veranstaltung zahlreiche Rundflüge durchgeführt wurden.

Im Laufe des Jahres 1935 wurden bereits Maßnahmen zur Beseitigung von Wohnwagen und Wohnbaracken, die sich auf und in unmittelbarer Nähe des Flugplatzes befanden, eingeleitet.

Mitte Januar 1936 ereignete sich auf dem Hangelarer Flugplatz ein weiterer Unfall, der die Zerstörung des Segelflugzeuges "Claus Clemens" zur Folge hatte. Im März wurde SA-Stabschef Viktor Lutze von Oberbürgermeister Rickert und hohen SA-Führern in Hangelar abgeholt. Auf dem Bonner Marktplatz nahm Lutze an einer Massenkund-gebung teil. Am 01. Mai  übernahm das Finanzamt Bonn im Auftrage des Landesfinanzamtes Köln die Verwaltung des Hangelarer Flugplatzes. Einen Tag später landete der Reichsorganisationsleiter Robert Ley auf dem Flugplatz. Er begab sich mit einer Delegation nach Königswinter, um dort den Grundstein für den Erweiterungsbau der Reichsführerschule zu legen. Am 22. Mai war Reichsminister Goebbels erneut nach Hangelar gekommen, wo er von Vertretern der Behörden und NS-Formationen erwartet wurde. Der Minister begab sich zunächst zu einem Empfang in den Königshof und besuchte anschließend das Rheinische Landesmuseum. In den Mai fiel auch die Erprobung einer weiteren Horten-Konstruktion, der Horten Va. Das weitgehend aus Kunststoff bestehende Flugzeug war bei der Dynamit AG in Troisdorf gebaut worden. Die Maschine wurde jedoch in der Testphase bei einem Unfall vollständig zerstört.

Ende Juli machten die Teilnehmer des Olympia-Sternflugs 1936, den der Reichsluftsportführer ausgeschrieben hatte, eine Zwischenlandung in Hangelar. 1936 wurde in Hangelar eine Reichs-Sportfliegerschule eingerichtet, die jedoch nur ein Jahr bestand.  

1937 begann der Ausbau des Hangelarer Flugplatzes zu einem Fliegerhorst der Luftwaffe. Die für die Erweiterung des Flugplatzes notwendigen Grundstücke wurden vom Reich angekauft oder enteignet. Zunächst entstanden mehrere Barackenlager mit Arbeits- und Unterkunftsräumen für das technische Personal, die Verwaltung und für das fliegende Personal. Die zivile Nutzung des Platzes durch Motor- und Segelflieger war aber noch bis 1939 möglich. Um 1937 ist auch vermutlich der Scheinflughafen Birlinghoven entstanden, der auf dem Gelände des Gutes "Großenbusch" angelegt wurde. Im Laufe des Jahres kamen Flugzeuge des späteren Kampfgeschwaders (KG) 54 vorübergehend nach Hangelar. Zur gleichen Zeit wurden dort auch Schulungslehrgänge für das technische Personal durchgeführt.

1938, ein Jahr vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs, gab es noch einmal eine Großveranstaltung auf dem Hangelarer Flugplatz. Mitte Juni veranstaltete die Gruppe 12 (Niederrhein) des NS-Fliegerkorps einen regionalen Wettbewerb, den Rheinlandflug. Vor dem Start zu dem Wettbewerb, an dem 54 Flugzeuge teilnahmen, demonstrierte Feldwebel Albert Falderbaum die hohe Schule des Kunstflugs. Falderbaum war erst wenige Tage zuvor in Nürnberg deutscher Kunstflugmeister geworden. Für Bonner Schulkinder veranstaltete die NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude" zusammen mit der "Hansa-Flugdienst" Rundflüge über Bonn und das Siebengebirge. An diesen Flügen, die an mehreren Tagen im September wiederholt wurden, nahmen etwa 1 000 Kinder teil.

Im September trafen sich Hitler und der britische Premierminister Chamberlain in Bad Godesberg im Rheinhotel Dreesen. Nach Abschluß der Verhandlungen fuhr Hitler nach Hangelar und bestieg dort seine Ju 52 "Immelmann II". In seiner Begleitung befanden sich höhere SA- und SS-Führer, darunter auch Heinrich Himmler. 

Der zweite Weltkrieg 

1939-1945 

Die Baumaßnahmen auf dem Hangelarer Flugplatz wurden vermutlich 1939 weitgehend abgeschlossen. Die Fliegerhorstkommandantur A (o) 10/VI Bonn-Hangelar konnte ihre Arbeit aufnehmen. Die Verlegung verschiedener Luftwaffeneinheiten - darunter Jäger, Aufklärer, Bomber und Sturzkampfflugzeuge - nach Hangelar führte zu einer starken Belegung des Flugplatzes. Rollschäden auf dem Platz und Flugunfälle in seiner Umgebung waren nicht ungewöhnlich. Die Aufgabe der Jagdgeschwader bestand in der Sicherung der Westgrenze. Im Juli des Jahres befand sich eine Staffel des KG 26 auf dem Flugplatz. Die Maschinen flogen zum Übungsplatz Ahrbrück, um dort das Abwerfen von Bomben zu üben. Bei einem dieser Flüge stürzte eine Maschine ab und verbrannte. Die vierköpfige Besatzung kam ums Leben.

Im August kam eine Versuchs-Nachtjagdstaffel unter dem Kommando von Oberleutnant Steinhoff nach Hangelar. Das technische und das fliegende Personal wurden im Steyler-Missionshaus einquartiert. Dort war auch ein Krankenrevier eingerichtet worden. In dem Missionshaus hatte sich bereits im 1. Weltkrieg ein Reservelazarett befunden.

Im Oktober kam es zu einem Zwischenfall. Zwei französische Flugzeuge hatten die deutsche Grenze überflogen und näherten sich Bonn. Zwischen den in Hangelar gestarteten Abfangjägern und den Franzosen kam es in der Voreifel zu einem Luftkampf. Ein zweimotoriger Bomber wurde in der Nähe von Euskirchen abgeschossen und brannte aus. Ein Mitglied der vierköpfigen Besatzung kam ums Leben.

Die Sicherung des Flugplatzes übernahmen leichte und schwere Flakbatterien, die - zusammen mit einer Scheinwerferbatterie - in der näheren Umgebung von Hangelar ihre Stellungen bezogen. Im Herbst 1944 bedeutete die Zuführung einer schweren Eisenbahnflakbatterie eine zusätzliche Verstärkung.

Ende Februar 1940 inspizierte Generalfeldmarschall Göring in Begleitung der Generäle Milch, Grauert und Sperrle die Fliegertruppe in Hangelar. Für die Dauer des Besuches flog eine Jagdstaffel Platzschutz. Anfang März landete der General der Flieger Albert Kesselring in Hangelar.

Am 10. Mai begann der Feldzug im Westen. Gleich zu Beginn der Kampfhandlungen stürzte ein in Hangelar gestarteter "Stuka" in Siegburg ab. Die beiden Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Mitte Mai wurde der in deutsche Gefangenschaft geratene Kommandeur der 9. französischen Armee, General Giraud, mit einer Ju 52 nach Hangelar geflogen und von dort zur Festung Königstein gebracht. Er konnte 1942 aus der Festung fliehen. Im Juni 1940 war Rudolf Hess zu Besuch in Hangelar. Nach dem Ende des Westfeldzuges wurden die von Hangelar aus operierenden Luftwaffeneinheiten auf andere Kriegsschauplätze verlegt.

Anfang August 1941 veranlasste die Bonner Gestapo die Räumung des Steyler-Missionshauses, das 1943 mit der "Sprachmittler Abteilung der Luftwaffe" belegt wurde. Diese "Dolmetscherschule" stand unter dem Kommando von Hauptmann Blechinger, einem Österreicher.

Im Juli 1943 stürzte ein englischer Bomber in der Nähe des Bahnhofs Menden, im Nordbereich des Flugplatzes, ab und riss die gesamte Besatzung mit in den Tod.

Während des Krieges kamen verschiedene Tagjagd-, Nachtjagd-, Schlacht- und Nachtschlachtgruppen nach Hangelar, von denen die bekannteste die I. Gruppe des Jagdgeschwaders (JG) 300 "Wilde Sau" gewesen ist. Die Einheit, zunächst als I.(JG)/"Herrmann" geführt, wurde im Juni 1943 in Hangelar aufgestellt und blieb dort ein Jahr lang. Während das fliegende Personal im Kurhaus in Hennef einquartiert war, wohnten die Offiziere des Stabes im Schloß Allner. Im März 1944 kam es zu einem tragischen Unfall, als ein Flugzeugführer der I./JG 300 nach dem Start in das Wohnhaus einer Hangelarer Familie stürzte. Neben dem Piloten kamen auch drei Familienangehörige ums Leben. Die zunehmende Feindtätigkeit über dem Reichsgebiet führte zu zahlreichen Tiefflieger- und Bombenangriffen auf Hangelar und die nähere Umgebung. Den ersten schweren Angriff erlebten die Hangelarer und St. Augustiner Bevölkerung am Weihnachtsabend 1944, als 100 englische Flugzeuge den Hangelarer Flugplatz bombardierten. Dabei erhielt auch das Steyler Missionshaus schwere Treffer. Im Januar 1945 waren es 63 "Fliegende Festungen" der amerikanischen Luftwaffe, die den Platz mit einem Bombenteppich belegten.

Im März 1945 konnten amerikanische Truppen die Brücke von Remagen unversehrt in ihre Gewalt bringen und einen Brückenkopf bilden. In der Folgezeit drangen die Amerikaner immer weiter nach Norden vor und nahmen am 21. März den Hangelarer Flugplatz ein, der kurz zuvor von deutschen Soldaten gesprengt worden war. Die deutschen Truppen mussten sich hinter die Sieg zurückziehen und beschossen das Frontgebiet mit Artillerie. Eine Granate schlug in Hangelar ein und tötete zahlreiche Zivilisten.

 

Die Nachkriegszeit und der Wiederaufbau 

1945-1999 

Nach dem Kriegsende zogen ausgebombte Familien und kleinere Betriebe in die Gebäude der ehemaligen Fliegerhorstkommandantur ein. Um 1949 bezogen Mitglieder des "Christlich Baltischen Studentenbundes" Quartiere auf dem Flugplatz. Die Studenten bauten die in dem weitgehend intakten Seitenflügel der zerstörten Werft vorhandenen Räume zu Wohnungen aus und errichteten einen Altarraum. In dieser Zeit begann der "Aero Club Siegburg" mit ersten Aufräumungsarbeiten auf dem Flugplatzgelände. 1951 kam der Bundesgrenzschutz (BGS) nach Hangelar, der ein Jahr später das von den Studenten bewohnte Gebäude in Anspruch nahm. Der Studentenbund musste Hangelar verlassen und fand eine neue Unterkunft im "Annaberger Hof" in Bad Godesberg. Für den Transport stellte der BGS Fahrzeuge zur Verfügung. Im August des Jahres war ein Modell-Flugwettbewerb auf dem mit Bombentrichtern übersäten Flugplatz die erste Veranstaltung nach dem 2. Weltkrieg. Nur wenige Tage nach dem Wettbewerb landete zum ersten Mal wieder ein Motorflugzeug in Hangelar. Die Maschine kam aus dem französischen Saarland. Nachdem 1951 der Segelflug wieder frei wurde, konnte sich auf dem Hangelarer Flugplatz wieder ein Flugbetrieb entwickeln. Zuvor mussten jedoch einige Bombentrichter zugeschüttet und das Gelände planiert werden. Ende 1951 gründeten Friedhelm Wirth und Willi Sturm die "Sportfliegerschule Hangelar GmbH", die im Juni 1952 mit dem Schulbetrieb begann. Im Jahr 1952 wurde auch die "Flugplatzgesellschaft Hangelar mbH" ins Leben gerufen. Ende Dezember des Jahres war bereits der 1500. Start zu verzeichnen. Verschiedene Vereine fanden sich nach und nach in Hangelar ein und machten mit zum Teil selbst gebauten Segelflugzeugen ihre ersten Starts.

Mitte April 1953 kamen Flugkapitän Hanna Reitsch und der bekannte Segelflieger Ernst Günter Haase mit einer eigenen Maschine zum Segelflugtraining nach Hangelar. Im Laufe des Jahres begannen im Betrieb des Bonner Flugzeugbauers Alfons Pützer die Arbeiten an dem von Walter Horten konzipierten Nurflügel-Motorsegler, der Horten 33. Die Flugerprobung der Maschine erfolgte im April 1954, zunächst noch ohne Motor. Im August veranstaltete der Nordrhein-Westfälische Luftsportverband einen Segelflug-Wettbewerb in Hangelar. Im November taufte der Bonner Oberbürgermeister Busen auf dem Münsterplatz ein neues Segelflugzeug des Luftsportvereins Bonn auf den Namen "Bruno Werntgen".

Ende Februar 1955 kam es auf dem Flugplatz zu einem tragischen Unfall, bei dem ein schweizer Pilot mit seinem Schüler den Tod fanden. Da für deutsche Flieger der Motorflug in der Bundesrepublik noch nicht erlaubt war, hatten sich viele Interessenten in das benachbarte Ausland begeben, um dort die Lizenz zu erwerben oder zu erneuern. Im Zuge der Ausbildung waren sie mit ausländischen Maschinen des öfteren in Hangelar gelandet. Nachdem der Bundesrepublik am 05. Mai 1955 die Lufthoheit erhalten hatte, konnten auch die Deutschen wieder Motorflugsport betreiben. Bereits vor dem entscheidenden Datum hatte Pater Paul Schulte in Hangelar den "Jugendhorst Europa" ins Leben gerufen. Die für den Schulbetrieb notwendigen Flugzeuge waren in England gekauft und nach Deutschland überführt worden. Mangels geeigneter Räumlichkeiten lebte das Schulpersonal in Wohnwagen, während die Flugzeuge in großen Zelten standen. Ein Jahr später übergab Pater Schulte die Schule an das Land Nordrhein-Westfalen, das den Ausbildungsbetrieb unter dem neuen Namen "Motorfliegerschule Nordrhein-Westfalen e. V." weiterführte. In der Folgezeit wurde der Name in "Motorsportfliegerschule Nordrhein-Westfalen", "Luftfahrerschule Nordrhein-Westfalen e. V." und schließlich in "Luftfahrt-Betriebs-GmbH" umgeändert. Anfangs nur in Baracken untergebracht, konnte die Schule 1971 ein festes Gebäude beziehen. Eine neue Werfthalle war bereits 1960 errichtet worden.

In dem Betrieb von Alfons Pützer war 1955 mit dem zweisitzigen "Motorraab" ein Reiseflugzeug entstanden, das in Hangelar erprobt wurde. Mit der "Dohle I" (1957), der "Elster" (1957) und dem Motorsegler MS-60 folgten weitere Maschinen, die ihren Erstflug in Hangelar absolvierten.1955 kam Flugkapitän a. D. Fritz Loose nach Hangelar und übernahm das Amt eines Flugleiters, das er bis 1968 innehatte.

Auf Anordnung des Bundesinnenministers wurde im Mai eine Hubschrauberflugbereitschaft aufgestellt und als Standort Hangelar bestimmt. Im Juni trafen die ersten Hubschrauber des BGS auf dem Hangelarer Flugplatz ein. Neben der Fliegerstaffel kamen weitere BGS-Einheiten nach Hangelar und machten den Ausbau des Standortes notwendig, der auch im Jubiläumsjahr 1999 noch nicht abgeschlossen ist.

Unter der Leitung des Deutschen Aero Clubs (DAeC) fand 1956 wieder ein Deutschlandflug statt. Es war die erste nationale Großveranstaltung nach Kriegsende. Am 22. Juni gab Bundesverkehrsminister Seebohm den Start frei zur ersten Etappe Hangelar-Braunschweig. Unter den Teilnehmern befanden sich die bekannten Fliegerpersönlichkeiten Elly Beinhorn, Julius Buckler, Albert Falderbaum und Oberst Johannes Steinhoff. Auch bei verschiedenen in den Folgejahren durchgeführten Deutschlandflügen war Hangelar Zwischenlandeplatz.

Im Zuge der Instandsetzungsarbeiten, die 1955 an der alten Flugzeughalle vorgenommen wurden, ist auch der Kriegsanstrich entfernt worden. In diesem Jahr und in der Folgezeit entstanden zahlreiche Barackenbauten, die den neu gegründeten und alten Luftsportvereinen wie auch den privaten Flugzeughaltern als Klubheim und Unterstellplatz für die Flugzeuge dienten. Diese Provisorien hatten eine unterschiedliche "Lebensdauer" und sind später abgerissen und vereinzelt durch feste Gebäude ersetzt worden.

Im April 1957 konnte in Hangelar der 100 000. Start nach dem Krieg verzeichnet werden. Zwei Monate später beschwerten sich die Einwohner der rund um den Flugplatz gelegenen Gemeinden gegen den von den Motorfliegern verursachten Lärm und wandten sich mit einer Resolution an den Verkehrsminister des Landes Nordrhein-Westfalen. In den folgenden Jahren wurde die Lärmbelästigung ein Problem, mit dem sich die Flieger in zunehmendem Maße auseinandersetzen mussten. Trotz lärmmindernder Maßnahmen blieben Einschränkungen im Flugbetrieb nicht aus.

Der Aufbau der neuen deutschen Luftwaffe hatte auch Auswirkungen auf den Flugplatz Hangelar. Zur Beschleunigung der Ausbildung wurden geeignete zivile Flugschulen verpflichtet, die Auswahlschulung von Pilotenanwärtern durchzuführen. Die "Motorsportfliegerschule NRW" war eine der Ausbildungsstätten, die die Anforderungen erfüllten. Die ersten Soldaten kamen 1957/58 nach Hangelar.

Das 50 jährige Bestehen des Hangelarer Flugplatzes wurde mit einem Flugtag gefeiert, dessen Organisation in den Händen der "Fliegergemeinschaft Hangelar" und der "Flugplatz GmbH Hangelar" lag. Zu den Höhepunkten der Veranstaltung, die annähernd 20 000 Zuschauer besuchten, gehörten das Kunstflugprogramm von Albert Falderbaum, der Überflug einer Düsenjägerformation der Bundeswehr und ein Hubschrauberverbandsflug des BGS. Zahlreiche Ehrengäste waren erschienen, darunter Fritz Pullig, Erich Warsitz, dessen fliegerische Laufbahn in Hangelar begann und der im Juni 1939 einen erfolgreichen Flug auf dem ersten Raketenflugzeug der Welt absolvieren konnte, sowie General Heusinger und Jakob Möltgen aus Köln. Im Herbst 1961 erfolgte der Abriss der ehemaligen Fliegerhorstkommandantur.

Mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen konnten zwischen 1966 bis 1968 verschiedene Baumaßnahmen durchgeführt werden. Es entstanden eine neue Flugzeughalle, ein Abfertigungsgebäude, in dem auch die Flugplatz Verwaltung und die Luftaufsicht untergebracht wurden und eine neue Tankanlage für Flugzeuge.

Im August 1969 erlebten 100 000 Zuschauer einen internationalen Großflugtag in Hangelar, der unter der Schirmherrschaft des damaligen Bundeskanzlers Kurt Georg Kiesinger stand. Anlass war das 60 jährige Bestehen des Flugplatzes. Das reichhaltige Programm wurde mitgestaltet von der deutschen, der amerikanischen und französischen Luftwaffe, der englischen Kunstflugstaffel "Red Arrows" und vom Bundesgrenzschutz. Der Bundeskanzler eröffnete die Veranstaltung, an der auch der Generalinspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Steinhoff, teilnahm.

1969 verlegte die Firma "Air Lloyd" ihren Sitz von Köln nach Hangelar und errichtete auf dem Flugplatze eine Halle für Wartungs- und Reparaturarbeiten an Hubschraubern und ein Verwaltungsgebäude.

1972 erhielt der Hangelarer Flugplatz eine asphaltierte Start- und Landepiste. Ein Jahr später wurden im südlichen Bereich des Flugplatzes neue Unterstellboxen für Motorflugzeuge gebaut. 1974 hatte der Flugplatz 92 000 Flugbewegungen zu verzeichnen. Dabei sind etwa 27 000 Personen befördert worden. 1982 konstituierte sich der Lärmschutzbeirat für den Verkehrslandeplatz Bonn-Hangelar. Den Vorsitz übernahm der damalige Bürgermeister der Stadt Sankt Augustin.1984 fand noch einmal ein internationaler Großflugtag statt, der von der "Fliegergemeinschaft Hangelar" organisierte wurde. Anlass der Veranstaltung war der 75. "Geburtstag" des Flugplatzes. Gleichzeitig konnte die "Fliegergemeinschaft" ihr 25 jähriges Bestehen feiern. Die Schirmherrschaft hatte der damalige Bundestags-präsident Dr. Rainer Barzel übernommen. Die Hauptattraktion des Flugtages, der unter schlechten Witterungsbedingungen litt, war die Kunstflugstaffel der brasilianischen Luftwaffe, die sich zum ersten Mal auf dem europäischen Kontinent präsentierte. Auch ein italienisches Kunstflugteam bereicherte das Veranstaltungsprogramm.

Im Mai 1989 machten die Astronauten der D2-Mission ihren Flugschein an der Luftfahrerschule in Hangelar. In diesem Jahr war erneut ein Jubiläum zu feiern. Anlässlich des 80 jährigen Bestehens war die Ju 52 der Deutschen Lufthansa AG zu Besuch in Hangelar. Dieser Flugzeugtyp hatte in der Vorkriegs- und Kriegszeit fast zum alltäglichen Erscheinungsbild des Flugplatzes gehört. Ein Jahr später feierte die Luftfahrerschule ihr 35 jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass war erneut eine Ju 52 - diesmal aus der Schweiz - nach Hangelar gekommen.  

Der Umzug der Bundesregierung nach Berlin wird sich sicherlich auch auf den Flugplatz Hangelar auswirken, hatten doch in der Vergangenheit hochrangige Politiker gelegentlich von Hangelar aus ihre Dienstreisen angetreten oder waren zur Wahlkampfzeit von dort in ihre Wahlkreise geflogen. Das 90jährige Bestehen des Flugplatzes soll ebenfalls in einem gebührenden Rahmen gefeiert werden. Es wird die letzte große Veranstaltung vor der Jahrtausendwende sein.